Die Waffenhändler

Trotz der verheerenden, saudischen Luftangriffe auf jemenitische Städte, gehören Saudi-Arabien und die übrigen Länder der Kriegsallianz zu den wichtigsten Empfängern von Waffenlieferungen aus dem Westen. Warum? Nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch die westlichen Staaten, wollen wegen der geostrategischen Bedeutung verhindern, dass sich der Jemen aus dem Machteinfluss Saudi-Arabiens befreit.
Der größte Waffenlieferant der Saudis sind die USA, doch auch deutsche Rüstungskonzerne beliefern die saudisch geführte Kriegskoalition. Entgegen eigener Rüstungsexportregeln genehmigte die Bundesregierung allein in den drei Jahren des Jemen-Krieges von 2015 – 2017 Rüstungsexporte im Wert von 4,6 Milliarden Euro an diese Länder.
Trotz der Festlegung im Koalitionsvertrag der Bundesregierung „Wir werden ab sofort keine Ausfuhren an Länder genehmigen, solange diese unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind“, wurde vom 14.03.2018 bis 23.09.2018 Rüstungsgüter im Wert von 254,6 Millionen Euro an Saudi-Arabien genehmigt.

Ägypten

… 2017 erteilte die Bundesregierung (Kabinett Merkel III) 37 Ausfuhrgenehmigungen für Rüstungsexporte im Gesamtwert von 428 Millionen Euro an das Militärregime unter Ägyptens Staatspräsident Abdel Fatah al-Sissi. Geliefert werden Raketen des Typs „Sidewinder“ der Firma Diehl sowie ein U-Boots von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS).

Arabische Emirate

Der Bundessicherheitsrat genehmigte 2015 mehrere Aufträge der Vereinigten Arabischen Emirate: Das Land bekommt vier Pionierpanzer des Typs Wisent 2, 20.000 Mörsergranatzünder von Junghans Microtec (Diehl Konzern), rund 3000 Maschinenpistolen HK MP7 , 30 Sturmgewehre und über 80.000 Schuss Munition. Insgesamt im Wert von 2,056 Millionen €.

2016: 565 Maschinenpistolen, 77 Sturmgewehre
2016: Ausfuhren insgesamt im Wert von 27,950 Millionen €.

Jordanien

Der Bundessicherheitsrat billigte 2015 den Verkauf von rund 1000 Gewehren, knapp 50 Maschinenpistolen sowie 100.000 Patronen Munition für Maschinenpistolen an das Land. Anders als bei Großgeräten nennt das Wirtschaftsministerium in solchen Fällen jedoch wie üblich weder die beauftragten Firmen noch die konkreten Waffen beim Namen. Vermutlich kommen die Waffen von Heckler & Koch.[40]

2015: Insgesamt im Wert von 3,171 Millionen €.
2016: Insgesamt im Wert von 6,945 Millionen €.

Katar

… Trotz Bedenken wegen Katars Beteiligung am Krieg im Jemen genehmigte die Bundesregierung im Oktober 2015 die Lieferung von Kampfpanzern in das Golfemirat. Ein Stopp der Verschiffung von vier Leopard-2-Panzern und drei Panzerhaubitzen wurde abgelehnt, da das zuständige Ministerium Schadensersatzforderungen des Herstellers befürchtete.[42] 196 leichte Maschinengewehre und 53 tragbare Abschussgeräte für Panzerabwehrraketen und Raketensysteme.

2015: Insgesamt im Wert von 291,164 Millionen €.
2016: Insgesamt im Wert von 790,5 Mio. €

Kuwait

Kuwait ist seit langem Empfänger deutscher Waffen. Das Land erhält ab 2015 eine Granatmaschinenwaffe vom Kaliber 40 Millimeter. Dazu kommen Ersatzteile für die Bewaffnung eines Radpanzers vom Typ Boxer, dessen Erprobung durch das Land bereits genehmigt ist.

2016: Insgesamt im Wert von 0,415 Mio. €

Saudi-Arabien

Saudi-Arabien ist nach den Großmächten USA, China und Russland der viertgrößte Waffenkäufer weltweit: allein 2016 gab das Land 64 Milliarden Dollar für Kriegsgerät aus. Der Anteil der Wehrausgaben Saudi-Arabiens liegt regelmäßig zwischen 10 und 14 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Ein wesentlicher Anteil der Waffen kommt von Rheinmetall und anderen deutschen Firmen.[

Das Land besitzt den Fuchs-Spürpanzer aus deutscher Produktion.

Am 2. Juli 2011 wurde bekannt, dass der Bundessicherheitsrat einem Export deutscher Leopard 2A7+ nach Saudi-Arabien zustimmt. Nach Presseinformationen des Magazins Der Spiegel ist ein Verkauf von 200 Einheiten geplant. Die Waffenlieferung stieß auf erhebliche Kritik, wobei auf schwere Menschenrechtsverstöße Saudi-Arabiens und auf die Niederschlagung der Demokratiebewegung im benachbarten Bahrain verwiesen wurde. Das Land zeigte 2012–2014 Interesse am Kauf von 928 GTK Boxer in verschiedenen Versionen. Den Auftrag erhielt jedoch General Dynamics Land Systems Canada mit dem LAV 6.[54] Im Dezember 2012 verteidigte Merkel Rüstungslieferungen nach Saudi-Arabien.

2016 genehmigte die Bundesregierung endgültig die Ausfuhr des ersten von insgesamt 48 bestellten militärischen Patrouillenbooten. Das Land hatte bereits 2012 Interesse an den Booten aus der Lürssen-Werft gezeigt, 2013 hatte der Bundessicherheitsrat dem Geschäft grundsätzlich zugestimmt.[55] 2017 genehmigte die Bundesregierung die Lieferung von 110 Schwerlastkraftwagen der Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Land schon in der Katar-Krise[53].

Das G36 und andere H&K-Produkte werden in Saudi-Arabien in Lizenz produziert. Die Waffen tauchen in Syrien und dem gesamten Arabischen Raum auf.

Amnesty International kritisierte 2013 Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien, weil das dortige Regime in der Vergangenheit immer wieder mithalf, die Protestbewegungen in den Nachbarstaaten zu bekämpfen. Als 2011 die Bevölkerung in Bahrain auf die Straße ging, schickte Saudi-Arabien Soldaten und Polizisten ins Nachbarland.[56] Riad greift als aktivster Akteur in den Bürgerkrieg im Jemen ein. Immer wieder gab es Belege, dass die Saudische Armee auch deutsche Waffen im Jemen einsetzt.[55]

2016: Insgesamt im Wert von 18,384 Mio. €

Rheinmetall

Rheinmetall stellt hauptsächlich Heereswaffen her. Der Düsseldorfer Konzern entwickelt, produziert und exportiert militärische Radfahrzeuge, leichte gepanzerte Fahrzeuge und Panzer (Fuchs 1 und Fuchs 2, GTK Boxer) und Panzer wie den Schützenpanzer Puma, den Leopard 2 A6, die Panzerhaubitze 2000 und andere. Auch das seit Jahrzehnten hergestellte Maschinengewehr MG3 stammt von Rheinmetall. Der Konzern beliefert die Bundeswehr auch mit Munition diverser Typen, wie diese u. a. im Krieg in Afghanistan eingesetzt wird.[70]

Heckler & Koch

Heckler & Koch baut Geschütze und Handfeuerwaffen aller Art. H&K beliefert mindestens 88 Staaten direkt mit ihren Waffen, darunter die Polizeien und Armeen der meisten NATO-Staaten. In mindestens 92 Staaten sind Sicherheitskräfte mit von der Firma entwickelten Waffen ausgerüstet.[71] Das bis 2003 hergestellte G3 zählte laut Small Arms Survey 2001 mit über 7 Millionen Exemplaren zu den am meisten produzierten Schnellfeuergewehren der Welt, deutlich hinter der russischen Kalaschnikow AK-47 (70–100 Millionen).[72] G3-Gewehre aus nichtdeutscher Produktion von Lizenznehmern werden weltweit eingesetzt, oft auch in Krisenregionen und Kriegen.

Diehl Defence

Diehl Defence in Baden-Württemberg gehört zu 45 Prozent der französischen Thales Group. Das Unternehmen entwickelt und exportiert Flugkörper, Raketenantriebe und Zünder (Junghans Microtec).

Krauss-Maffei Wegmann

Krauss-Maffei Wegmann befindet sich in Privatbesitz, wobei maßgebliche Anteilseigner die Familien Bode und von Braunbehrens sind. KMW produziert zusammen mit Rheinmetall den Kampfpanzer Leopard 2, die Panzerhaubitze 2000, den Schützenpanzer Puma, den Panzerspähwagen Fennek und die gepanzerten Transporter Dingo und Boxer.