Drohnenkrieg im Jemen

Der Jemen ist bereits seit 2002 Opfer von US-amerikanischen Drohnenangriffen. Ingesamt wurden auf den Jemen bereits mehr als 300 Angriffe geflogen mit weit über 1.000 Toten.[1] Daher zogen 2019 drei Jemeniten in Deutschland vor Gericht. Der Grund: Der Luftangriff erfolgte über den US-Militärstandort im rheinland-pfälzischen Ramstein. Die Klage wird unterstützt von zwei Menschenrechtsorganisationen: dem European Center for Constitutional and Human Rights und Reprieve.[2]

Kollateralschäden

Einen fairen Prozess bekamen die Opfer der Drohnenangriffe nie. Es gibt nur ein Todesurteil und das zieht in der Regel viele Unschuldige mit in den Tod. Beispielsweise Said Ali al-Shihri, stellvertretener Anführer von Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel, sechs Jahre Guantanamo Bay, benötigte 4 Drohnen-Angriffe. Bei den Drohnenangriffen, die ihm gegolten haben, wurden insgesamt 57 Menschen getötet, hauptsächlich unschuldige Zivilisten. Gleiches passierte bei der Tötung von Fahd al-Quso, vier Angriffe, 48 Tote. Oder Anwar Al-Awlaki, vier Angriffe, 44 Tote.[3] Mit präzisen Bombardements hat das wenig zu tun. Eine Analyse der Menschenrechtsgruppe Reprieve kam bei einer Untersuchung von Drohnenangriffen auf das Ergebnis: für 41 Zielpersonen wurden 1.147 Menschen getötet. Das heißt also, dass 96 Prozent nur Kollateralschäden sind.[4] Die Auswahl der Zielpersonen ist häufig fraglich. So wurde Großmutter Bibi Mamana beim Gemüse pflücken getötet. „Niemand hat mir je gesagt, warum meine Mutter an diesem Tag Ziel des Angriffs wurde“, erklärte Rafiq ur Rehman, einer der Söhne von Bibi Mamana.[5]
Für einen Drohnenangriff soll angeblich sprechen, dass möglichst wenig Menschenleben eingesetzt wird, um eine Zielperson zu töten. Doch durch das Töten auf Distanz werden die Gewaltanwendungen zunehmend undifferenzierter und unverhältnismäßiger.[6] Der Soldat wird nicht mit dem Leid konfrontiert, sondern kann sich höchstens über sein unbequemes Sitzkissen in der Bodenkontrollstation beklagen.

Psychologische Folgen für die Zivilbevölkerung

Der Himmel bedeutet für die Jemeniten: Tod ohne Vorwarnung oder Begründung dieser Gewalt. Der Himmel wird als totbringend wahrgenommen. Es kann jederzeit passieren, Schutz gibt es davor nicht. Diese Angst hat psychologische Auswirkung, warnt das Kommisariat der Vereinten Nationen für Menschenrechte.[7] Das Auftreten posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) wird mit dem andauernden Drohnenkrieg im Jemen seit 2002 in Verbindung gebracht. Die Angst, getötet zu werden oder einen nahen Menschen durch einen Drohnenangriff zu verlieren, ist so intensiv, dass sie zu PTBS führen kann.[8] Laut der PTBS-Studie der IPPNW sind bei 72 von 100 erwachsenen Befragten im Jemen die Symtome für PTBS sichtbar, 27 haben wahrscheinlich PTBS und nur einer wies kaum Symtome auf. Die jemenitische Bevölkerung ist in einem konstanten Spannungszustand.

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[1] The Bureau of Investigative Journalism, Drone Strikes in Yemen
[2] Der Tagesspiegel, Bundesregierung lässt Urteil zu US-Drohnen prüfen
[3] The Guardian, 41 men targeted but 1,147 people killed
[4] ebd.
[5] Vgl. ippnw report, Humanitäre Folgen von Drohnen, Berlin 2019
[6] ebd.
[7] UN Human Rights, Human Rights Council holds panel on remotely piloted aircraft or armed drones in counterterrorism and military operations
[8] ebd.

Bildquelle: Khaled Abdullah