Epidemie

Neben den Bombardements der Kriegskoalition unter Führung Saudi-Arabiens und den Vereinigten Arabischen Emiraten – leiden die Menschen vor allem unter der Cholera-Epidemie. Die Krankheiten haben unterschiedliche Ursachen. Hunger macht nicht nur hungrig, sondern auch krank. Hunger kann auf die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes Einfluss haben. Hungernde Menschen sind anfälliger für Infektionskrankheiten. Im Erwachsenenalter sind sie dann anfälliger für chronische Krankheiten. Der Jemen besteht also hauptsächlich aus Menschen, die anfälliger auf Krankheiten sind als normal, was durch das Fehlen von dringend benötigten Medikamenten verschlimmert wird. Hinzu kommen die schlechten, hygienischen Bedingungen, welche durch die Zerstörung von Infrastrukturen wie beispielsweise die Wasserversorgung deutlich verschlimmert wurden.
Nach Angaben des Roten Kreuzes ist in Jemen die größte bekannte Cholera-Epidemie der Geschichte ausgebrochen. Zumindest seit Epidemien dokumentiert werden. Im Jemen breitet sich mit der Diphtherie eine weitere lebensgefährliche Infektionskrankheit aus. Diese Krankheit ist ebenfalls behandelbar, wenn man Medikamente und medizinisches Personal zur Verfügung hätte, doch die Blockade verhindert das.
Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen 1966 verabschiedeten die Mitglieder einstimmig den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte – ratifiziert von 164 Staaten. Nach Artikel 12.1 haben die Jemeniten das Recht auf höchstmögliche körperliche und geistige Gesundheit. Der Zustand im Jemen entspricht ganz und gar nicht diesem Versprechen, was 1976 offiziell in Kraft trat. Es entspricht einer anderen völkerrechtlichen Definition: die des Völkermords. „Unter Völkermord sind im vorliegenden Übereinkommen alle folgenden Handlungen zu verstehen, mit denen beabsichtigt wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören: (c) absichtliche Beeinflussung der Lebensbedingungen der Gruppe, die dazu bestimmt sind, ihre physische Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen“, Artikel 2 der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes.[1] Doch Saudi-Arabien kann sich auf die UN-Resolution 2216 berufen und legitimiert die Blockade als Überwachung des Waffenembargos.

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[1] UN Human Rights, Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide

Bildquelle: Anadolu Agency